P age P age
finde deinen eigenen weg
Dao und Wu Wei Ein Text von: Boris Bankl ©2000/2017 Eines vorab: Warum der Mensch wider seine Natur handeln kann, weiß ich nicht. Darauf kenne ich keine Antwort. Vielleicht wächst mit dem Bewusstsein über sich selbst auch die Möglichkeit, vom natürlichen Fluss, vom großen Plan und vor allem von einem Gefühl des “fließenden Lebens” abzuweichen. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen, dass es eine Lebensweise gibt, bei der ich “mit den Dingen” fließen oder mich “gegen sie” stellen kann. Vielleicht ist das immer nur eine Sache der Einstellung. Oft hat es zu tun mit Begriffen wie: Beobachten, Loslassen, Geschehenlassen, offen sein, unvoreingenommen sein und sehr oft mit dem richtigen Zeitpunkt. Auch wenn es jetzt vielleicht ein wenig ein komisches Beispiel ist, aber es trifft genau den Kern der Sache: Wenn ich mich zu früh auf die Toilette setze, wenn ich also gar nicht muss, sitze ich oft eine längere Zeit vergeblich und mühe mich ab (falscher Zeitpunkt, erzwingen wollen, Anstrengung). Wenn ich auf Toilette gehe, sobald ich muss, so ist es eine Sache von kurzer Dauer (richtiger Zeitpunkt, geschehen lassen, Mühelosigkeit). Was passiert, wenn ich zu spät gehe, brauche ich nicht eigens erwähnen, oder? Der richtige Zeitpunkt, der Punkt der Mühelosigkeit, ist immer in der Mitte zwischen den Extremen... “Dao”, manchmal auch “Tao” geschrieben, ist die Schreibweise des chinesischen Wortes für “Weg” oder auch Methode, also die Art und Weise, wie die Dinge getan werden. Aus dem Japanischen meistens “Do” geschriben, (das ganz vielen Kampfkünsten angehängt ist, z.B. dem Ju-Do, dem Aiki-Do oder dem Taekwon-Do). Dahinter verbirgt sich auch die große Philosophie des Daoismus. Aus meiner Sicht gibt es das „Dao“, das mehr den Weg des Menschen darstellt, und zum Zweiten das „Dao“ sozusagen den “großen Weg” des Universums. Das praktische “Dao” ist somit für mich der Weg zum philosophischen “Dao”. Im folgenden Text wird „Dao“ also synonym für dieses philosophische „Dao“ benutzt. Wer diesem großen “Dao” folgt, beschreitet den Weg der Mühelosigkeit oder auch den “natürlichen Weg”. Ein Teil des Schriftzeichens für diesen Weg bedeutet auch „der Lauf des Wassers“ und Wasser fließt bekanntlich. In diesen Fluss der Dinge möchte der „Mensch des Dao“ kommen. Was ich an der Sichtweise des Dao im Gegensatz zu vielen Religionen und Weltanschauungen so mag, ist die völlige Unkompliziertheit. Es gibt nichts, wozu ich gezwungen werde und niemanden, der mich zwingt. Da ist nichts, vor dem ich Angst haben oder mich gar schuldig fühlen müsste. Das „Dao“ ist ganz einfach. Lies den letzten Satz bitte mehrmals durch und spiele mit der Betonung, damit Du die Doppeldeutigkeit erkennst. Die Einstellung, die sich für das Leben gewinnen lässt, ist eine sehr natürliche. Alles geschieht ungezwungen und unverkrampft. Locker und leicht. Das klingt beinahe wie ein Werbeslogan. Vielleicht ist es das sogar. Ja, sei frei und ungezwungen. Lasse Dich nicht beeinflussen von dem Trubel der Zeit. Die Welt wird immer komplexer und damit nehmen auch die Komplexe der Menschen zu. Wir werden immer häufiger gezwungen, gegen unsere eigene Natur zu handeln. Oder zwingen wir uns selber? Befreie Dich davon. Das Einzige, was Du hierzu tun musst, ist, diesen Wunsch in Dir freizusetzen. Beobachte alle Vorgänge ganz aufmerksam, ohne den Versuch, einzugreifen oder zu lenken. Der Rest geschieht von ganz alleine. Überlasse Dich dem Fluss der natürlichen Ordnung. Du kannst das „Dao“ als intelligenten Rhythmus bezeichnen, der von alleine das richtige bewirkt. „Dao“ ist - wie gesagt - wie der Lauf des Wassers. Alan Watts sagte sinngemäß: Du kannst das „Dao“ erahnen aber nicht fassen, so wie Du einen Fluss nicht in einen Eimer füllen könntest oder den Wind in eine Tüte. Oder wie es bereits der Weise Laotse einst sagte: „Das Dao, das man in Worte fassen kann, ist nicht das ewige Dao“. Die Weltanschauung hinter dem „Dao“ ist die, dass jedes Geschehen nur in Beziehung zu allen anderen koexistiert. Die größte Wahrheit des „Dao“ steckt in so einfachen Sätzen wie den folgenden: “Wenn du hungrig bist, dann iss, wenn du durstig bist, dann trinke und wenn du müde bist, dann lege dich schlafen. Der Narr wird darüber lachen, doch der Weise wird dich verstehen.” Oder, wie es Raymond Smullyan formuliert hat: “Der Weise schläft nicht ein, weil er es soll. Nicht einmal, weil er es will, sondern weil er müde ist.” Der Daoist ist einer, der nicht so sehr das sucht, was ihm fehlt, sondern genießt, was er hat. Lerne, der uralten Philosophie des „Dao“ nachzugehen, die dem “Lauf des Wassers” intelligent folgt und das menschliche Leben als integralen Bestandteil des ganzen Weltprozesses sieht, nicht als etwas Fremdes und ihm Entgegengesetztes. Mache Dir keine Gedanken über das Wie oder Warum. Das „Große Dao“ ist das, von dem Du nicht abweichen kannst; das, von dem Du abweichen kannst, ist nicht das „Große Dao“. Dein “Selbst” ist untrennbar von diesem Universum und Du hast keinen anderen Ort. Es gibt keinen anderen Weg als den Weg. Ob Du willst oder nicht, Du bist dieser Weg und gehst mit ihm. Wichtig ist, dass Du Dich selbst nicht allzu ernst nimmst. Lache, auch über sich selbst. Das ist heilsam und befreiend. Als Kind konnten wir Spaß und Freude erleben. Warum haben wir diese Haltung durch eine andere ersetzt, die behauptet, das Leben sei bitterernst? Genieße Dein Dasein. Dazu benötigst Du keinen Guru und keine Religion. Ich zitiere noch einmal Raymond Smullyan: “Um jeden Preis mussten die Christen Heiden und Atheisten von der Existenz Gottes überzeugen, um deren Seele zu retten. Um jeden Preis mussten die Atheisten den Christen beweisen, dass ihr Glaube an Gott lediglich eine kindische und primitive Einbildung war, die der Sache des eigentlichen gesellschaftlichen Fortschritts ungeheuren Schaden zufügte. Also kämpften sie und rannten und schossen sich gegenseitig über den Haufen. Währenddessen sitzt der daoistische Weise ruhig an einem Fluss, hat vielleicht einen Gedichtband, Wein und sein Malzeug bei sich und genießt frohen Herzens das Dao, ohne sich je darum zu sorgen, ob es existiert oder nicht. Der Weise muss seine Kraft nicht auf das Dao verschwenden; er ist vollauf damit beschäftigt, es zu genießen.” Du sucht nach einem Sinn hinter allen Dingen. Das ist müßig. Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst. Das ist alles. Und das ist schön. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Menschen können Dir auf Deinem Weg helfen, Dir Wegweiser sein, Dich unterstützen. Sie können aber nie Deinen Weg gehen (der einmalig ist so wie Du). Leider geben nur allzu oft Menschen einen Weg vor und zwingen sie, diesen dann auch zu gehen (und dieser Weg besteht selten aus Individualität und Freiheit). Viele Menschen scheinen sich jedoch auch immer weniger selbst zu vertrauen und trauen sich somit auch nicht mehr, ihren eigenen Weg zu gehen.Ein Lehrer ist für mich daher unbedingt jemand, der Begleiter und Berater (eben der Wegweiser) sein kann, aber eben nicht der Führer oder gar Tyrann, der seinen eigenen Weg zum Weg der anderen macht. Lehrer können immer nur „Geburtshelfer“ sein, das „Kind“ (im übertragenen Sinn) zur Welt bringen kannst immer nur Du selbst. Wu Wei Wu Wei (eigentlich: Wei Wu Wei) wird gerne als das Grundprinzip der daoistischen Denkweise genannt. Meist wird es mit Handeln durch Nicht-Handeln übersetzt. Damit ist leider schon der Grundstein für ständige Fehlinterpretationen gelegt. Wu Wei klingt dann nämlich wie ein Aufruf zum Nichtstun, zum Passiv-Sein, eine Aufforderung zum Faulsein und zum Müßiggang. Das ist jedoch nicht richtig. Auch wenn der „Mensch des Dao“ das Leben genießt, weiß er dennoch, wann er handeln muss. Ja gerade, weil er weiß, wann er zu handeln hat und wann nicht, kann er das Leben genießen. Das Leben enthält immer Yin- UND Yang-Aspekte, immer ein Für und Wider. Jede Medaille hat ihre zwei Seiten. Es gibt für alles eine rechte Zeit und eine schlechte Zeit. Es gibt für alles ein rechtes Maß und ein schlechtes Maß. Wenn Dein Leben nicht so verläuft, wie Du es Dir vorstellst und Du somit nicht vollauf frei und glücklich bist, dann kannst Du sicher sein, dass Du weder dem „Dao“ noch seinem Prinzip des Wu Wei folgst. Eine weitere Übersetzung mit “Geschehenlassen” ist ebenfalls häufig falsch verstanden. Sie hört sich wie ein Freifahrtschein für alles an. Da kann einem wirklich alles egal sein. Das „Dao“ wird es schon richten. So funktioniert es allerdings nicht. Wenn ich auf die andere Seite des Flusses will, ist es intelligent, der Strömung zu folgen, anstatt gegen sie anzuschwimmen. Aber es ist nicht klug, einfach am Ufer stehen zu bleiben. Dann passiert nämlich überhaupt nichts (wobei Du Dich dazu entschließen kannst, doch dann hört allmählich die Bewegung in Deinem Leben auf – und nur was sich bewegt, lebt). Das Dao gibt Dir die Freiheit, zu schwimmen oder stehenzubleiben, das heißt, Deinem Glück zu folgen oder nicht. Du kannst Dich jerderzeit entscheiden. Du kannst Dir das Leben erleichtern, wenn Du mit den Dingen fließt. Du kannst es aber genausogut auch bleiben lassen. Egal, wie Du Dich entscheidest, das „Große Dao“ bleibt das „Große Dao“. Nur für Dich selbst macht es einen gehörigen Unterschied. Du machst es Dir selbst leicht im Leben oder erschwerst Dir Dein Dasein. Zurück zum Wu Wei. Ich übersetze es gerne mit “Nicht-Handeln beim Handeln”. Hier wird etwas deutlicher, dass Du durchaus aktiv werden kannst, vielleicht musst. Das Nicht-Handeln bezieht sich mehr auf Deine Einstellung und Deine Gefühle beim Handeln. Du wirst mir sicherlich zustimmen, dass es nicht von Intelligenz zeugt, einfach in Deinem Bett liegen zu bleiben, wenn das Haus in Flammen steht (falsche Interpretation von Wu Wei). Hier musst Du also Handeln. Doch ist es genausowenig hilfreich, wenn Du nun überreagierst und durchdrehst, weil Deine Gefühle mit Dir durchgehen. Angst ist in einer solchen Situation völlig normal. Dennoch darfst Du Dich nicht von Deinen Gefühlen überwältigen lassen. Du solltest inmitten der Flammen einen kühlen Kopf bewahren, um den besten und schnellsten Weg zu finden, Dich zu retten. Das ist das Nicht-Handeln. Es ist ein Nicht-Behaftetsein. Du betrachtest Deine Handlung beinahe losgelöst, wie von außen. Ein anderes Beispiel. Du schenkst jemandem etwas wertvolles (Handeln). Wenn Du nun erwartest, dass sich diese Person über das Geschenkte freut, kannst Du Glück haben oder enttäuscht werden. Das würde nicht dem Prinzip des Nicht- Handelns entsprechen. Du kannst selbstverständlich die Absicht haben, mit Deinem Geschenk Freude zu bereiten, doch frei von der Erwartung bleiben. Hier bedeutet das Nicht-Handeln also Erwartungslosigkeit. Dadurch, dass Du nicht erwartest, dass sich der Beschenkte freut, bist Du freier. Grundsätzlich bedeutet das, Du machst Dich und Deine Gefühle, Deine Stimmung, nicht abhängig von der Handlung oder Reaktion anderer und auch nicht von den Geschehnissen, die Du nicht beeinflussen kannst. Du tust, was Du tun kannst, lässt jedoch Deine Vorstellung vom Endergebnis los. Tu, was Du tust, weil Du es tust, nicht, um damit etwas zu bezwecken. Wu Wei ist ein Zustand des Losgelöstseins bei gleichzeitiger Verbundenheit mit allem. Wu Wei ist die Kunst, zum richtigen Zeitpunkt das Richtige zu tun. Das „Dao“ gibt Dir hierbei sogar Hilfestellung, wenn Du es zulässt. Du bist ein Teil des „Großen Dao“ und damit ist das „Große Dao“ ein Teil von Dir. Überlasse Dich dieser inneren Kraft durch Nicht-Eingreifen, dann erhältst Du Führung. Das ist mit Wu Wei gemeint: Innere Gelassenheit und inneres Nicht-Eingreifen. Das ist der Yin-Yang-Aspekt: innere Gewissheit, im Außen das Richtige zu tun. Du fragst Dich, wie Du diese Gewissheit erlangst? Es gibt so etwas wie die “innere Stimme”, die Dir genau sagt, wo es lang geht. Wenn Du das Gefühl für diese intuitive Kraft erst einmal entwickelt hast, dann weißt Du, wie Du diese erkennen und sie von dem Chaos der “plappernden Stimmen” in Deinem Kopf unterscheiden kannst. Es ist ein ganz klares Gefühl, bei dem Du wirklich “weißt”, dass das Vorhaben, die Richtung, die Du einschlagen willst, mit Dir übereinstimmt. Du erkennst Deinen Weg. Dieses Gefühl kann allerdings in vollem Gegensatz zu Deinem “inneren Schweinehund” und Deinem “inneren Kritiker” stehen. Beide sind Erzeugnisse Deines Egos (schon mal davon gehört?) und lähmen Deine Kraft. Der “Schweinehund”, indem er Dir Trägheit, Faulheit und Müßiggang unterbreitet. Schnelle, leichtere und verführerische Wege, die kurzfristiges Glück auf der Basis von Bequemlichkeit versprechen. Der “Kritiker”, indem er Dich zum Vergleich mit anderen auffordert und Dir einredet, dass Du nicht gut genug bist egal was Du tust und wie sehr Du Dich anstrengst - und so weiter. Beide reden Dir im Namen gesellschaftlicher Normen wie Sicherheit, Moral und Gemeinwohl ein schlechtes Gewissen ein, und fordern Dich auf, alles so zu lassen, wie es ist. Du bist in einer Abwärtsspirale gefangen. Diese zu durchbrechen, kostet einiges an Bewusstheit und Beobachten. Aber es lohnt sich. In Wirklichkeit weißt Du jetzt, dass Du nur dann glücklich sein und um Deinen Platz und Deine Aufgabe in der Welt wissen kannst, wenn Du „Deinen Weg“ gehst. Und nur wenn Du Deinen Weg gehst, wirst Du mehr Glück, Vitalität und Lebensfreude erhalten. Nur dann wirst Du Sinn in Deinem Tun und Handeln sowie in Deinem gesamten Leben erkennen. Dann bist Du in einer Aufwärtsspirale und hast das Gefühl, alles wird besser. Vorsicht: Hier meldet sich dann sehr oft der gesellschaftliche Moralapostel wieder, der Dir vorhält, dass Du es nicht zu gut haben darfst, wo es doch noch so vielen Menschen auf der Welt schlecht geht. Du darfst nicht reich sein, nicht immer nur gesund, nicht immer nur glücklich. Das ist ungerecht. Aber Du weißt nun, dass auch das nicht stimmt. Wenn mehr Menschen ihre Trägheit überwinden und ihrer inneren Stimme und somit dem „Dao“ intelligent folgen würden, ginge es ihnen allen besser. Du weißt jetzt, dass dann jeder seinen Platz im Leben und somit in der Gesellschaft hätte. Jeder hätte seine Aufgabe und seine verantwortungsvolle Rolle. Der Mensch des „Dao“ ist wie kein anderer fähig, Verantwortung zu übernehmen. Er möchte völlig frei sein von allen emotionalen Verstrickungen. Frei von allen falschen Moralvorstellungen und lähmenden Stimmen. Doch nur wer bereit ist, für sein Tun und Nicht-Tun völlige Verantwortung zu übernehmen, erlangt wirkliche Freiheit. Das ist zugleich der Grund, warum gar nicht so viele Menschen frei sein wollen. Weil es anders herum viel bequemer ist. Abhängigkeit ist oft auch Annehmlichkeit. Wie steht es mit Dir? Ich möchte Dich noch einmal an einen Satz von vorhin erinnern. “Auch wenn der „Mensch des Dao“ das Leben genießt, weiß er dennoch, wann er handeln muss. Ja gerade, weil er weiß, wann er zu handeln hat und wann nicht, kann er das Leben genießen.” Überlege noch einmal genau, was das bedeutet. Faulheit und Trägheit sind genauso wie übermäßiger Stress und Hetze Extremzustände. Beide führen zu keinem vernünftigen Ergebnis. Beide Zustände sind unintelligent und nicht-fließend. Wenn Du Dir die Natur ansiehst, dann stellt sie alles mit einer gewissen Leichtigkeit an. Sie lebt mit dem „Dao“. Es gibt keinen Stress und keine Hetze. Alles braucht seine Zeit. Dennoch gibt es in der Natur keinen Müßiggang, keine Bequemlichkeit. Alles ist in ständiger beflissener Bewegung. Kein Baum sagt, “ich lasse meine Blätter diesen Winter hängen, ich muss sie ja im nächsten Frühling sowieso wieder wachsen lassen”. Nein, denn er “weiß”, das wäre sein Ende. Er sagt aber genauso wenig, “meine Blätter müssen in diesem Frühling in der Hälfte der Zeit herangewachsen sein, ich muss Zeit sparen und schneller üppiger aussehen als mein Nachbar”.  Nein, der Baum kennt keine Hektik und keinen Wettbewerb. Er ist nicht emotional behaftet. Er tut, was er tut, weil er “weiß”, wann es gut und richtig ist. Das ist intelligenter Rhythmus. Kein Eichhörnchen käme auf die Idee, für den nächsten Winter keine Nüsse zu sammeln, weil es seine Trägheit nicht überwinden kann. Es “weiß”, das wäre sein Ende. Es kommt aber auch nicht auf die Idee zu sagen, “ich sammle diesen Winter doppelt so viele Nüsse, damit ich mehr habe als mein Nachbar”. Ein Eichhörnchen kennt keinen Neid, keine emotionale „Behaftung“. Das Eichhörnchen tut, was es tut, weil es “weiß”, wann es gut und richtig ist. Das ist intelligenter Rhythmus. Darum ist die Natur glücklich. Sie ist “in der Mitte”. Noch einmal: Wu Wei ist die Kunst, zum richtigen Zeitpunkt das Richtige zu tun. Nur Du kannst “wissen”, was das ist und wann das ist! Also: Du kannst es völlig ungezwungen und spielerisch einfach mal ausprobieren. Aus dem „Großen Dao“ kannst Du nicht herausfallen, wenn Du Deinem eigenen „Dao“ folgst. Was hast Du also zu verlieren? Ich kann Dich nur ermutigen, aus eigener Erfahrung sagen: es lohnt sich!
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Dao und Wu Wei Ein Text von: Boris Bankl ©2000/2017 Eines vorab: Warum der Mensch wider seine Natur handeln kann, weiß ich nicht. Darauf kenne ich keine Antwort. Vielleicht wächst mit dem Bewusstsein über sich selbst auch die Möglichkeit, vom natürlichen Fluss, vom großen Plan und vor allem von einem Gefühl des “fließenden Lebens” abzuweichen. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen, dass es eine Lebensweise gibt, bei der ich “mit den Dingen” fließen oder mich “gegen sie” stellen kann. Vielleicht ist das immer nur eine Sache der Einstellung. Oft hat es zu tun mit Begriffen wie: Beobachten, Loslassen, Geschehenlassen, offen sein, unvoreingenommen sein und sehr oft mit dem richtigen Zeitpunkt. Auch wenn es jetzt vielleicht ein wenig ein komisches Beispiel ist, aber es trifft genau den Kern der Sache: Wenn ich mich zu früh auf die Toilette setze, wenn ich also gar nicht muss, sitze ich oft eine längere Zeit vergeblich und mühe mich ab (falscher Zeitpunkt, erzwingen wollen, Anstrengung). Wenn ich auf Toilette gehe, sobald ich muss, so ist es eine Sache von kurzer Dauer (richtiger Zeitpunkt, geschehen lassen, Mühelosigkeit). Was passiert, wenn ich zu spät gehe, brauche ich nicht eigens erwähnen, oder? Der richtige Zeitpunkt, der Punkt der Mühelosigkeit, ist immer in der Mitte zwischen den Extremen... “Dao”, manchmal auch “Tao” geschrieben, ist die Schreibweise des chinesischen Wortes für “Weg” oder auch Methode, also die Art und Weise, wie die Dinge getan werden. Aus dem Japanischen meistens “Do” geschriben, (das ganz vielen Kampfkünsten angehängt ist, z.B. dem Ju-Do, dem Aiki-Do oder dem Taekwon-Do). Dahinter verbirgt sich auch die große Philosophie des Daoismus. Aus meiner Sicht gibt es das „Dao“, das mehr den Weg des Menschen darstellt, und zum Zweiten das „Dao“ sozusagen den “großen Weg” des Universums. Das praktische “Dao” ist somit für mich der Weg zum philosophischen “Dao”. Im folgenden Text wird „Dao“ also synonym für dieses philosophische „Dao“ benutzt. Wer diesem großen “Dao” folgt, beschreitet den Weg der Mühelosigkeit oder auch den “natürlichen Weg”. Ein Teil des Schriftzeichens für diesen Weg bedeutet auch „der Lauf des Wassers“ und Wasser fließt bekanntlich. In diesen Fluss der Dinge möchte der „Mensch des Dao“ kommen. Was ich an der Sichtweise des Dao im Gegensatz zu vielen Religionen und Weltanschauungen so mag, ist die völlige Unkompliziertheit. Es gibt nichts, wozu ich gezwungen werde und niemanden, der mich zwingt. Da ist nichts, vor dem ich Angst haben oder mich gar schuldig fühlen müsste. Das „Dao“ ist ganz einfach. Lies den letzten Satz bitte mehrmals durch und spiele mit der Betonung, damit Du die Doppeldeutigkeit erkennst. Die Einstellung, die sich für das Leben gewinnen lässt, ist eine sehr natürliche. Alles geschieht ungezwungen und unverkrampft. Locker und leicht. Das klingt beinahe wie ein Werbeslogan. Vielleicht ist es das sogar. Ja, sei frei und ungezwungen. Lasse Dich nicht beeinflussen von dem Trubel der Zeit. Die Welt wird immer komplexer und damit nehmen auch die Komplexe der Menschen zu. Wir werden immer häufiger gezwungen, gegen unsere eigene Natur zu handeln. Oder zwingen wir uns selber? Befreie Dich davon. Das Einzige, was Du hierzu tun musst, ist, diesen Wunsch in Dir freizusetzen. Beobachte alle Vorgänge ganz aufmerksam, ohne den Versuch, einzugreifen oder zu lenken. Der Rest geschieht von ganz alleine. Überlasse Dich dem Fluss der natürlichen Ordnung. Du kannst das „Dao“ als intelligenten Rhythmus bezeichnen, der von alleine das richtige bewirkt. „Dao“ ist - wie gesagt - wie der Lauf des Wassers. Alan Watts sagte sinngemäß: Du kannst das „Dao“ erahnen aber nicht fassen, so wie Du einen Fluss nicht in einen Eimer füllen könntest oder den Wind in eine Tüte. Oder wie es bereits der Weise Laotse einst sagte: „Das Dao, das man in Worte fassen kann, ist nicht das ewige Dao“. Die Weltanschauung hinter dem „Dao“ ist die, dass jedes Geschehen nur in Beziehung zu allen anderen koexistiert. Die größte Wahrheit des „Dao“ steckt in so einfachen Sätzen wie den folgenden: “Wenn du hungrig bist, dann iss, wenn du durstig bist, dann trinke und wenn du müde bist, dann lege dich schlafen. Der Narr wird darüber lachen, doch der Weise wird dich verstehen.” Oder, wie es Raymond Smullyan formuliert hat: “Der Weise schläft nicht ein, weil er es soll. Nicht einmal, weil er es will, sondern weil er müde ist.” Der Daoist ist einer, der nicht so sehr das sucht, was ihm fehlt, sondern genießt, was er hat. Lerne, der uralten Philosophie des „Dao“ nachzugehen, die dem “Lauf des Wassers” intelligent folgt und das menschliche Leben als integralen Bestandteil des ganzen Weltprozesses sieht, nicht als etwas Fremdes und ihm Entgegengesetztes. Mache Dir keine Gedanken über das Wie oder Warum. Das „Große Dao“ ist das, von dem Du nicht abweichen kannst; das, von dem Du abweichen kannst, ist nicht das „Große Dao“. Dein “Selbst” ist untrennbar von diesem Universum und Du hast keinen anderen Ort. Es gibt keinen anderen Weg als den Weg. Ob Du willst oder nicht, Du bist dieser Weg und gehst mit ihm. Wichtig ist, dass Du Dich selbst nicht allzu ernst nimmst. Lache, auch über sich selbst. Das ist heilsam und befreiend. Als Kind konnten wir Spaß und Freude erleben. Warum haben wir diese Haltung durch eine andere ersetzt, die behauptet, das Leben sei bitterernst? Genieße Dein Dasein. Dazu benötigst Du keinen Guru und keine Religion. Ich zitiere noch einmal Raymond Smullyan: “Um jeden Preis mussten die Christen Heiden und Atheisten von der Existenz Gottes überzeugen, um deren Seele zu retten. Um jeden Preis mussten die Atheisten den Christen beweisen, dass ihr Glaube an Gott lediglich eine kindische und primitive Einbildung war, die der Sache des eigentlichen gesellschaftlichen Fortschritts ungeheuren Schaden zufügte. Also kämpften sie und rannten und schossen sich gegenseitig über den Haufen. Währenddessen sitzt der daoistische Weise ruhig an einem Fluss, hat vielleicht einen Gedichtband, Wein und sein Malzeug bei sich und genießt frohen Herzens das Dao, ohne sich je darum zu sorgen, ob es existiert oder nicht. Der Weise muss seine Kraft nicht auf das Dao verschwenden; er ist vollauf damit beschäftigt, es zu genießen.” Du sucht nach einem Sinn hinter allen Dingen. Das ist müßig. Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst. Das ist alles. Und das ist schön. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Menschen können Dir auf Deinem Weg helfen, Dir Wegweiser sein, Dich unterstützen. Sie können aber nie Deinen Weg gehen (der einmalig ist so wie Du). Leider geben nur allzu oft Menschen einen Weg vor und zwingen sie, diesen dann auch zu gehen (und dieser Weg besteht selten aus Individualität und Freiheit). Viele Menschen scheinen sich jedoch auch immer weniger selbst zu vertrauen und trauen sich somit auch nicht mehr, ihren eigenen Weg zu gehen.Ein Lehrer ist für mich daher unbedingt jemand, der Begleiter und Berater (eben der Wegweiser) sein kann, aber eben nicht der Führer oder gar Tyrann, der seinen eigenen Weg zum Weg der anderen macht. Lehrer können immer nur „Geburtshelfer“ sein, das „Kind“ (im übertragenen Sinn) zur Welt bringen kannst immer nur Du selbst. Wu Wei Wu Wei (eigentlich: Wei Wu Wei) wird gerne als das Grundprinzip der daoistischen Denkweise genannt. Meist wird es mit Handeln durch Nicht-Handeln übersetzt. Damit ist leider schon der Grundstein für ständige Fehlinterpretationen gelegt. Wu Wei klingt dann nämlich wie ein Aufruf zum Nichtstun, zum Passiv-Sein, eine Aufforderung zum Faulsein und zum Müßiggang. Das ist jedoch nicht richtig. Auch wenn der „Mensch des Dao“ das Leben genießt, weiß er dennoch, wann er handeln muss. Ja gerade, weil er weiß, wann er zu handeln hat und wann nicht, kann er das Leben genießen. Das Leben enthält immer Yin- UND Yang-Aspekte, immer ein Für und Wider. Jede Medaille hat ihre zwei Seiten. Es gibt für alles eine rechte Zeit und eine schlechte Zeit. Es gibt für alles ein rechtes Maß und ein schlechtes Maß. Wenn Dein Leben nicht so verläuft, wie Du es Dir vorstellst und Du somit nicht vollauf frei und glücklich bist, dann kannst Du sicher sein, dass Du weder dem „Dao“ noch seinem Prinzip des Wu Wei folgst. Eine weitere Übersetzung mit “Geschehenlassen” ist ebenfalls häufig falsch verstanden. Sie hört sich wie ein Freifahrtschein für alles an. Da kann einem wirklich alles egal sein. Das „Dao“ wird es schon richten. So funktioniert es allerdings nicht. Wenn ich auf die andere Seite des Flusses will, ist es intelligent, der Strömung zu folgen, anstatt gegen sie anzuschwimmen. Aber es ist nicht klug, einfach am Ufer stehen zu bleiben. Dann passiert nämlich überhaupt nichts (wobei Du Dich dazu entschließen kannst, doch dann hört allmählich die Bewegung in Deinem Leben auf – und nur was sich bewegt, lebt). Das Dao gibt Dir die Freiheit, zu schwimmen oder stehenzubleiben, das heißt, Deinem Glück zu folgen oder nicht. Du kannst Dich jerderzeit entscheiden. Du kannst Dir das Leben erleichtern, wenn Du mit den Dingen fließt. Du kannst es aber genausogut auch bleiben lassen. Egal, wie Du Dich entscheidest, das „Große Dao“ bleibt das „Große Dao“. Nur für Dich selbst macht es einen gehörigen Unterschied. Du machst es Dir selbst leicht im Leben oder erschwerst Dir Dein Dasein. Zurück zum Wu Wei. Ich übersetze es gerne mit “Nicht-Handeln beim Handeln”. Hier wird etwas deutlicher, dass Du durchaus aktiv werden kannst, vielleicht musst. Das Nicht-Handeln bezieht sich mehr auf Deine Einstellung und Deine Gefühle beim Handeln. Du wirst mir sicherlich zustimmen, dass es nicht von Intelligenz zeugt, einfach in Deinem Bett liegen zu bleiben, wenn das Haus in Flammen steht (falsche Interpretation von Wu Wei). Hier musst Du also Handeln. Doch ist es genausowenig hilfreich, wenn Du nun überreagierst und durchdrehst, weil Deine Gefühle mit Dir durchgehen. Angst ist in einer solchen Situation völlig normal. Dennoch darfst Du Dich nicht von Deinen Gefühlen überwältigen lassen. Du solltest inmitten der Flammen einen kühlen Kopf bewahren, um den besten und schnellsten Weg zu finden, Dich zu retten. Das ist das Nicht-Handeln. Es ist ein Nicht-Behaftetsein. Du betrachtest Deine Handlung beinahe losgelöst, wie von außen. Ein anderes Beispiel. Du schenkst jemandem etwas wertvolles (Handeln). Wenn Du nun erwartest, dass sich diese Person über das Geschenkte freut, kannst Du Glück haben oder enttäuscht werden. Das würde nicht dem Prinzip des Nicht-Handelns entsprechen. Du kannst selbstverständlich die Absicht haben, mit Deinem Geschenk Freude zu bereiten, doch frei von der Erwartung bleiben. Hier bedeutet das Nicht-Handeln also Erwartungslosigkeit. Dadurch, dass Du nicht erwartest, dass sich der Beschenkte freut, bist Du freier. Grundsätzlich bedeutet das, Du machst Dich und Deine Gefühle, Deine Stimmung, nicht abhängig von der Handlung oder Reaktion anderer und auch nicht von den Geschehnissen, die Du nicht beeinflussen kannst. Du tust, was Du tun kannst, lässt jedoch Deine Vorstellung vom Endergebnis los. Tu, was Du tust, weil Du es tust, nicht, um damit etwas zu bezwecken. Wu Wei ist ein Zustand des Losgelöstseins bei gleichzeitiger Verbundenheit mit allem. Wu Wei ist die Kunst, zum richtigen Zeitpunkt das Richtige zu tun. Das „Dao“ gibt Dir hierbei sogar Hilfestellung, wenn Du es zulässt. Du bist ein Teil des „Großen Dao“ und damit ist das „Große Dao“ ein Teil von Dir. Überlasse Dich dieser inneren Kraft durch Nicht-Eingreifen, dann erhältst Du Führung. Das ist mit Wu Wei gemeint: Innere Gelassenheit und inneres Nicht- Eingreifen. Das ist der Yin-Yang-Aspekt: innere Gewissheit, im Außen das Richtige zu tun. Du fragst Dich, wie Du diese Gewissheit erlangst? Es gibt so etwas wie die “innere Stimme”, die Dir genau sagt, wo es lang geht. Wenn Du das Gefühl für diese intuitive Kraft erst einmal entwickelt hast, dann weißt Du, wie Du diese erkennen und sie von dem Chaos der “plappernden Stimmen” in Deinem Kopf unterscheiden kannst. Es ist ein ganz klares Gefühl, bei dem Du wirklich “weißt”, dass das Vorhaben, die Richtung, die Du einschlagen willst, mit Dir übereinstimmt. Du erkennst Deinen Weg. Dieses Gefühl kann allerdings in vollem Gegensatz zu Deinem “inneren Schweinehund” und Deinem “inneren Kritiker” stehen. Beide sind Erzeugnisse Deines Egos (schon mal davon gehört?) und lähmen Deine Kraft. Der “Schweinehund”, indem er Dir Trägheit, Faulheit und Müßiggang unterbreitet. Schnelle, leichtere und verführerische Wege, die kurzfristiges Glück auf der Basis von Bequemlichkeit versprechen. Der “Kritiker”, indem er Dich zum Vergleich mit anderen auffordert und Dir einredet, dass Du nicht gut genug bist egal was Du tust und wie sehr Du Dich anstrengst - und so weiter. Beide reden Dir im Namen gesellschaftlicher Normen wie Sicherheit, Moral und Gemeinwohl ein schlechtes Gewissen ein, und fordern Dich auf, alles so zu lassen, wie es ist. Du bist in einer Abwärtsspirale gefangen. Diese zu durchbrechen, kostet einiges an Bewusstheit und Beobachten. Aber es lohnt sich. In Wirklichkeit weißt Du jetzt, dass Du nur dann glücklich sein und um Deinen Platz und Deine Aufgabe in der Welt wissen kannst, wenn Du „Deinen Weg“ gehst. Und nur wenn Du Deinen Weg gehst, wirst Du mehr Glück, Vitalität und Lebensfreude erhalten. Nur dann wirst Du Sinn in Deinem Tun und Handeln sowie in Deinem gesamten Leben erkennen. Dann bist Du in einer Aufwärtsspirale und hast das Gefühl, alles wird besser. Vorsicht: Hier meldet sich dann sehr oft der gesellschaftliche Moralapostel wieder, der Dir vorhält, dass Du es nicht zu gut haben darfst, wo es doch noch so vielen Menschen auf der Welt schlecht geht. Du darfst nicht reich sein, nicht immer nur gesund, nicht immer nur glücklich. Das ist ungerecht. Aber Du weißt nun, dass auch das nicht stimmt. Wenn mehr Menschen ihre Trägheit überwinden und ihrer inneren Stimme und somit dem „Dao“ intelligent folgen würden, ginge es ihnen allen besser. Du weißt jetzt, dass dann jeder seinen Platz im Leben und somit in der Gesellschaft hätte. Jeder hätte seine Aufgabe und seine verantwortungsvolle Rolle. Der Mensch des „Dao“ ist wie kein anderer fähig, Verantwortung zu übernehmen. Er möchte völlig frei sein von allen emotionalen Verstrickungen. Frei von allen falschen Moralvorstellungen und lähmenden Stimmen. Doch nur wer bereit ist, für sein Tun und Nicht-Tun völlige Verantwortung zu übernehmen, erlangt wirkliche Freiheit. Das ist zugleich der Grund, warum gar nicht so viele Menschen frei sein wollen. Weil es anders herum viel bequemer ist. Abhängigkeit ist oft auch Annehmlichkeit. Wie steht es mit Dir? Ich möchte Dich noch einmal an einen Satz von vorhin erinnern. “Auch wenn der „Mensch des Dao“ das Leben genießt, weiß er dennoch, wann er handeln muss. Ja gerade, weil er weiß, wann er zu handeln hat und wann nicht, kann er das Leben genießen.” Überlege noch einmal genau, was das bedeutet. Faulheit und Trägheit sind genauso wie übermäßiger Stress und Hetze Extremzustände. Beide führen zu keinem vernünftigen Ergebnis. Beide Zustände sind unintelligent und nicht-fließend. Wenn Du Dir die Natur ansiehst, dann stellt sie alles mit einer gewissen Leichtigkeit an. Sie lebt mit dem „Dao“. Es gibt keinen Stress und keine Hetze. Alles braucht seine Zeit. Dennoch gibt es in der Natur keinen Müßiggang, keine Bequemlichkeit. Alles ist in ständiger beflissener Bewegung. Kein Baum sagt, “ich lasse meine Blätter diesen Winter hängen, ich muss sie ja im nächsten Frühling sowieso wieder wachsen lassen”. Nein, denn er “weiß”, das wäre sein Ende. Er sagt aber genauso wenig, “meine Blätter müssen in diesem Frühling in der Hälfte der Zeit herangewachsen sein, ich muss Zeit sparen und schneller üppiger aussehen als mein Nachbar”.  Nein, der Baum kennt keine Hektik und keinen Wettbewerb. Er ist nicht emotional behaftet. Er tut, was er tut, weil er “weiß”, wann es gut und richtig ist. Das ist intelligenter Rhythmus. Kein Eichhörnchen käme auf die Idee, für den nächsten Winter keine Nüsse zu sammeln, weil es seine Trägheit nicht überwinden kann. Es “weiß”, das wäre sein Ende. Es kommt aber auch nicht auf die Idee zu sagen, “ich sammle diesen Winter doppelt so viele Nüsse, damit ich mehr habe als mein Nachbar”. Ein Eichhörnchen kennt keinen Neid, keine emotionale „Behaftung“. Das Eichhörnchen tut, was es tut, weil es “weiß”, wann es gut und richtig ist. Das ist intelligenter Rhythmus. Darum ist die Natur glücklich. Sie ist “in der Mitte”. Noch einmal: Wu Wei ist die Kunst, zum richtigen Zeitpunkt das Richtige zu tun. Nur Du kannst “wissen”, was das ist und wann das ist! Also: Du kannst es völlig ungezwungen und spielerisch einfach mal ausprobieren. Aus dem „Großen Dao“ kannst Du nicht herausfallen, wenn Du Deinem eigenen „Dao“ folgst. Was hast Du also zu verlieren? Ich kann Dich nur ermutigen, aus eigener Erfahrung sagen: es lohnt sich!
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